Festschrift 100 Jahre Ruderverein Rhenus e.V. Andernach 1910

Das schwimmende Bootshaus 1962-80

Das schwimmende Bootshaus 1962 - 1980

 

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Da die Stadt dem Verein kein Grundstück am Rheinufer geben wollte, außer im Hafengebiet, wurde Ende der 50 – er Jahre beschlossen, ein altes Schiff nahe dem Alten Krahn zu verankern. Über eine Schiffswerft in Oberwinter versuchte man, ein geeignetes Schiff zwischen Hamburg und Rotterdam ausfindig zu machen. Im Herbst 1961 wird dem Ruderverein über einen holländischen Makler ein stillgelegtes Wohnschiff angeboten, das zu Beginn des Jahres 1962 unter dem Vorsitzenden J. Unger von der Firma W. B. Schippers, Wijdehof 10, Rotterdam, für 32. 000 Gulden erworben wurde. 

Somit war der Ruderverein Rhenus Eigner eines 48 m langen und 350 t schweren Schiffes. War der Raddampfer auch äußerlich verrottet, so erwies sich sein Inneres als gut erhalten und für seinen Zweck als Bootshaus geeignet. Im Januar 1962 wurde das Schiff von Holland zur Werft nach Oberwinter verlegt. Dort begann ein langer und kostspieliger Umbau, der sich auf über 38. 000 DM belaufen sollte.

Die Kürzung des Hecks um 11 m, das Montieren eines Heckausgangs, um zur Pritsche zu gelangen, das Schweißen eines Aufbaus und Schutzgeländers auf dem Brückendeck machten nur 4 der insgesamt 69 Positionen aus. Zusätzlich wurden in 16 Ministerien, Behörden und Ämtern die notwendigen Anerkennungen, Zulassungen und Erlaubnisse eingeholt, um ein schwimmendes Bootshaus zu betreiben. Am 28. 05. 1962 war es soweit. Das ehemalige Fahrgastschiff wurde von Oberwinter nach Andernach überführt und am Stromkilometer 613, 7 und 50 m verankert. Ein Jahr verzichteten die Mitglieder fast ganz auf das Rudern, um den Innenausbau zu übernehmen.

 

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Der Verein besaß nun ein schwimmendes Bootshaus und hatte 117. 000 DM Schulden. Ein Aufruf um Spenden war nicht zu umgehen. Die Spenden ermöglichten im Frühjahr 1963 einen Aufbau auf dem Oberdeck und die Ausstattung des darin vorgesehenen Restaurants. Die Pritsche, eine ehemalige Fähre der Gemeinde Neef/Mosel wurde am 17. 7. 1965 für 500 DM erworben. Die Boote wurden damals im Achterteil des Unterdecks untergebracht. Im Vorderteil gab es Übernachtungsmöglichkeiten für Wanderruderer. Das Mitteldeck wurde Wohnraum für den damaligen Bootswart L. Fickler. Ein Vorratsraum, ein Aufenthaltsraum ( später Jugendraum ) sowie Duschräume und Toiletten wurden gebaut. Im Gästebuch des Vereins findet man den Dank der Ruderer für die gewährte gastliche Aufnahme und die freundliche Bewirtung (siehe Bild).

Das schwimmende Bootshaus wurde somit zu einem Wahrzeichen von Andernach und für lange Jahre ein beliebtes Ausflugsziel. Im November 1979 musste das Bootshaus zur Untersuchung in die Werft nach Oberwinter. Das 94 – jährige Schiff sollte überholt werden. Nach dem Entrosten war das Entsetzen groß. Der Schiffsrumpf war durchlöchert wie ein Schweizer Käse.

1979 Zurück an der Werft

Der damalige Vorstand hatte die schwierige Entscheidung zu treffen, Abwracken oder Erhalten. Auf einer außerordentlichen Sitzung wurde für den Erhalt entschieden. An dieser Stelle muss man den damaligen 2. Vorsitzenden Eduard Kollig erwähnen, der in mehr als 1200 Briefen Andernacher Bürger, Ämter, Kreis und Sponsoren wachrüttelte, um das Schiff zu erhalten. Unermüdlich arbeitete er mit seinen Ruderkameraden auf der Helling in Oberwinter und half dem Rhenus mit seinem Einsatz an Arbeit, Energie und finanziellen Mitteln. Am 13. 03. 1980 kehrt das Rhenus-Schiff an den „Alten Kranen“ zurück.KoLui

„Zwei alte Herren“ und ihr Boot: Eduard Kollig und Dr. Wilhelm Luithlen

 

 

   
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